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Methadon

PDF 32

Durch Veröffentlichungen in 2014 und 2017 wurden bei vielen Krebspatienten Hoffnungen auf eine gut verträgliche und effektive Tumortherapie mit Methadon geweckt. Bei den Veröffentlichungen handelt es sich um den Erfahrungsbericht eines Palliativmediziners aus Iserlohn, eine Fallsammlung bei 27 Patienten zur Nebenwirkungshäufigkeit und die Veröffentlichung einer Ulmer Chemikerin über die Wirkung auf Glioblastomzellen (Hirntumor) in Zellkulturen.

Methadon ist ein biologisch etwas schwieriges Opiat mit sehr langer und stark schwankender Halbwertszeit. Man weiß also nicht, wie lange der Abbau des Wirkstoffes bei einem Patienten konkret dauert – und diese Zeit kann sich auch beim gleichen Menschen wesentlich ändern, je nach Dosis und Stoffwechsellage. Nebenwirkungen treten oft erst spät zu Tage, denn es dauert, bis sich ein konstanter Wirkspiegel einstellt. Die Nebenwirkungsrisiken sind ähnlich wie bei anderen Opiaten: Verstopfung, Muskelschmerzen, Sedierung, verminderte Atmung, Schwellungen. Bei bis zu 50% der Patienten können Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden.

Im Stoffwechsel wird Methadon auf ähnlichem Weg wie viele andere Medikamente abgebaut, so dass es hier in einer Tumortherapie zu Wechselwirkungen kommen kann. Dann weiß man nicht, ob die Tumortherapie zu hoch oder zu niedrig dosiert ist. Auch bei Störwirkungen ist nicht zu entscheiden, welches Mittel diese nun hervorgerufen hat.

Das Mittel wird, weil es so kompliziert ist, insgesamt selten eingesetzt. Zur Wirkung gegen Krebs ist es auch nicht zugelassen. Viele Krankenhäuser sind dadurch mit der Methadonversorgung nicht vertraut, kennen den Unterschied zu L-Polamidon nicht oder haben das Medikament überhaupt nicht vorrätig. Hier ist es bereits mehrfach zu Fehldosierungen oder Wechselwirkungen gekommen.

Insgesamt ist deshalb Vorsicht oder sogar Zurückhaltung mit diesem Mittel geboten – Schwerkranke sollen ja nicht noch kränker werden. Weitere Informationen sind in diesem Ärzteblatt-Artikel von 2017 nachzulesen.

27.03.2020